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Gemeinsam ans Ziel

Nationale Minderheiten

DeutscheMinderheit Ukraine1Von April bis Oktober 2017 fand in der Ukraine das Projekt „Gemeinsam ans Ziel“ statt. Die Teilnehmer, Vertreter von zwölf verschiedenen ethnischen Minderheiten, besprachen unter Anleitung deutscher Experten aktuelle Probleme der nationalen Minderheiten in der Ukraine und suchten in einem Planspiel nach möglichen Lösungsszenarien. Die Teilnehmer Katya Buyar und Denys Geger berichten davon.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Katya: Das Planspiel hat mir gut gefallen. Dabei ist alles von den Teilnehmern abhängig. Die Ergebnisse sind immer unterschiedlich. Die Hauptsache ist, dass man einander gut zuhört. Wenn man noch nicht so viel weiß über die Minderheit, die man darstellen soll, dann bekommt man alle Informationen im Laufe des Spiels. Durch Planspiele kann man lernen, Konflikte zu vermeiden und zu lösen.


Riwwelkuchen gibt es immer

Larissa Mass im Interview

Bild3Wenn sich Larissa Mass’ Familie an den Feiertagen trifft, backt immer jemand Riwwelkuchen nach dem russlanddeutschen Rezept der Großmutter. Die Großmutter hat viel Wert darauf gelegt, Russlanddeutsche zu sein. Für die junge Generation spielt die Familiengeschichte aber oft keine Rolle mehr. Im Interview erzählt Larissa, was es für sie bedeutet, eine russlanddeutsche Familie zu haben.

Woher kommt deine Familie?

Meine Vorfahren kommen aus Schwaben und dem schlesischen Teil Deutschlands. Die Familie meiner Großmutter zog schon im 18. Jahrhundert nach Kasachstan, um dort Land zu bewirtschaften. Die Familie meines Großvaters wurde 1941 nach Kasachstan deportiert. In Taldyqorghan nahe der chinesischen Grenze, lernten sich meine Großeltern kennen. Dort kam ich 1989 zur Welt. Als ich drei Jahre alt war, sind wir nach Niedersachsen gegangen. Heute leben meine Verwandten in der Nähe von Hannover. Ich selbst wohne in Berlin.


Mein Familienkleinod

Erinnerungsstück einer russlanddeutschen Familie

ira1Im September 2016 schrieb das Goethe-Institut Russland den Wettbewerb „Mein Familienkleinod“ aus. Deutschlerner aus russlanddeutschen Familien waren aufgerufen, alte Fotos, Bücher, Münzen oder andere Gegenstände einzureichen und die Geschichte dazu zu erzählen. Zu gewinnen gab es eine Deutschlandreise. Irina Drigert überzeugte mit ihrem Familienkleinod, einer über 160 Jahre alten Bibel. Die 27-Jährige erzählt ihre Geschichte.

Die russische Zarin Katharina II. (1729 – 1796) hatte 1763 das sogenannte Einladungsmanifest unterschrieben. Darin lud sie deutsche Bauern und Handwerker ein, die noch unbesiedelten Gebiete ihres Reiches zu bewirtschaften. Viele folgten diesem Ruf und siedelten sich im Russischen Reich an. So war das auch bei meinen Vorfahren. Sie ließen sich im späten 19. Jahrhundert in der Stadt Nowograd-Wolinskij nieder. Das ist eine kleine Stadt in der heutigen Ukraine, im Gebiet Schitomir. Im Jahr 1941 wurde meine Familie nach Omsk in Sibirien deportiert. Man durfte nur wenige Sachen mitnehmen. Es gab ein bestimmtes Buch, das meine Familie einfach nicht zurücklassen konnte: eine alte Bibel aus dem Jahr 1856.


Von "Hinkeln" und "Gickeln"

Russlanddeutscher Dialekt

Lilia ProchorowaLilia Prochorowa ist Deutschlehrerin an der Schule Nr. 19 im westsibirischen Omsk. Die 64-Jährige kommt aus einer russlanddeutschen Familie und ist zweisprachig aufgewachsen. Im Interview spricht sie über ihre Familiengeschichte und über russlanddeutsche Dialekte.

Woher kommen deine Vorfahren?

Meine Vorfahren kamen aus Deutschland und haben sich zur Zeit von Katharina II. an der Wolga angesiedelt. Im 19. Jahrhundert sind meine Urgroßeltern nach Amerika gegangen. Warum, weiß ich nicht. Damals sind viele Russlanddeutsche mit dem Schiff nach Amerika gefahren. Auf den Passagierlisten haben wir meine Verwandten gefunden. Meine Großeltern wollten immer nach Russland zurück. Mein Großpapa wollte in der Landwirtschaft arbeiten. In den 1920er- und 1930er-Jahren war in den USA die Wirtschaftskrise. 1924 kehrten meine Großeltern nach Russland zurück. Dort wurde ihnen Ackerland zugesprochen. Mein Großpapa hat oft gesagt, dass die Jahre an der Wolga für ihn die glücklichsten waren. Meine Mutter kam noch in Amerika zur Welt. In Milwaukee, Wisconsin.


Deutschland liegt mir am Herzen

Gespräch mit einer Russlanddeutschen

Pauline FotoPolina Popp aus Omsk in Sibirien möchte ab Herbst 2018 in Berlin Modedesign studieren. Die 19-Jährige hat zu Deutschland eine ganz besondere Beziehung: Polina ist Russlanddeutsche. Ihr Großvater wurde in der deutschen Stadt Balzer an der Wolga geboren. Im Interview spricht sie über ihre Familiengeschichte.

Woher kommen deine Vorfahren?

Meine Urgroßeltern väterlicherseits haben Deutschland verlassen und sind an die Wolga gezogen, in die deutsche Stadt Balzer. Dort kam mein Opa 1938 zur Welt. Drei Jahre später wurden die Russlanddeutschen nach Sibirien vertrieben. Die Familie meines Opas kam nach Iskitim, 65 Kilometer südlich der Stadt Nowosibirsk. Dort hat mein Opa meine Oma, eine Russin, kennengelernt.


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