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Kommunikation auf Deutsch

Der Kurs „Deutsch für Beruf und Karriere“

vitamin de Ausgabe Nr. 77, Regionalausgabe Russland

Bild1 Text1 SeiteIISeit drei Jahren fördert das Goethe-Institut Moskau in Berufs- und Fachschulen den Deutschunterricht. Mit dem Kurs „Deutsch für Beruf und Karriere“ sollen berufsbildende Fächer mit der Fremdsprache Deutsch verbunden werden. Im Unterricht gründen die Schüler eine Übungsfirma. So lernen sie Betriebswirtschaft und Berufskommunikation auf Deutsch.

„Im Deutschunterricht sind die Lernenden aktiv und arbeiten als Team in ihrer Übungsfirma“, erzählt Ljubow Solowjowa aus Kirow. Sie koordiniert das Pilotprojekt „Deutsch für Beruf und Karriere“ in der Region Kirow. Zehn Deutschlehrerinnen und über 100 Schüler aus acht Berufsschulen nehmen daran teil. „Das Projekt passt gut zu den Berufs- und Fachschulen. Es ist praxisbezogen und bietet interessante neue Arbeitsformen“, sagt die Multiplikatorin des Goethe-Instituts.

Eine Übungsfirma gründen

Das Spannende an dem Kurs sei die Gründung einer Übungsfirma, so Ljubow Solowjowa. Dabei würden die Lernenden betriebswirtschaftliches Wissen und Berufskommunikation auf Deutsch lernen. „Es werden Arbeitstreffen abgehalten und Visitenkarten angefertigt. Auch Telefongespräche mit Geschäftspartnern und Vorstellungsgespräche werden simuliert“, berichtet Ljubow. Das Lehrmaterial sei so ausgearbeitet, dass alle vier Fertigkeiten – Sprechen, Lesen, Schreiben und Hören – in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit geschult werden. „Die Aufgaben sind lernerzentriert. Darum machen sie den Lernenden Spaß“, sagt sie.

Fachleute mit Deutschkenntnissen

Ljubow Solowjowa weiß, dass in ihrer Region Fachleute mit berufsspezifischen Deutschkenntnissen in der Forstwirtschaft sowie im Maschinen- und Elektromaschinenbau gesucht werden. „Es gibt viele Firmen, die Fachleute mit Deutschkenntnissen brauchen. Sie sollen direkt mit den deutschen Geschäftspartnern kommunizieren können“, sagt sie. Die Multiplikatorin wünscht sich, dass der Kurs „Deutsch für Beruf und Karriere“ nach der Pilotphase ein fester Bestandteil im Lehrplan der Berufs- und Fachschulen wird.

Die Situation ändern

Das wünscht sich auch Olga Schilina aus Pensa. Als sie vor vier Jahren ihre Arbeit an der dortigen Fachschule für Verarbeitungstechnologien und Wirtschaft begann, bemerkte sie den Unterschied zu ihrer vorherigen Stelle an der Universität. Die Lernenden in den Berufs- und Fachschulen seien wenig motiviert Fremdsprachen zu lernen, hätten in der Regel ein niedriges Sprachniveau und würden die Wichtigkeit von Fremdsprachen für Beruf und Karriere nicht erkennen. „Diese Situation wollte ich ändern“, erklärt die Deutsch- und Englischlehrerin.

Erst Skepsis, dann Freude

Als Olga Schilina ihren Lernenden den Kurs „Deutsch für Beruf und Karriere“ präsentierte, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Oft hörte sie von ihnen: „Deutsch ist doch kein Hauptfach! Wozu das alles?“ Aber dann habe der Kurs das Interesse der Schüler geweckt. Sie hätten verstanden, dass es spannend ist, Deutsch zu lernen. Nun mache das Projekt den Lernenden Spaß, meint die Lehrerin.

Partnerschaft mit deutschen Berufsschulen

Auch Olga Schilina denkt, dass Fachleute mit Deutschkenntnissen bei exportorientierten Firmen in der Region Pensa gefragt sind. „Außerdem habe ich vor, eine Partnerberufsschule in Deutschland zu finden“, sagt die Lehrerin. Eine Partnerschaft mit einer deutschen Berufsschule wäre ein starker Impuls für das Deutschlernen ihrer Schüler. Der Kurs „Deutsch für Beruf und Karriere“ vermittle nicht nur ökonomisches Wissen und Berufskommunikation, sondern unterstütze auch die Deutschlehrkräfte in den Berufs- und Fachschulen. „Das Pilotprojekt gibt mir die Möglichkeit, mit anderen Deutschlehrern Erfahrungen auszutauschen und die Motivation der Schüler zu steigern. Das macht mir Spaß!“

Deutsch für Beruf und Karriere

Bild2 Text1 SeiteIIIDas Projekt des Goethe-Instituts Moskau richtet sich an Deutschlernende in Schulen sowie Berufs- und Fachschulen im Alter von 15 bis 19 Jahren mit einem Sprachniveau ab A2. Im Rahmen des Kurses gründen die Schüler eine Übungsfirma. So lernen sie betriebswirtschaftliches Know-how sowie mündliche und schriftliche Fach- und Berufskommunikation. Der Kurs ist für 68 Unterrichtseinheiten angelegt und kann im regulären Deutschunterricht oder extracurricular angeboten werden. Das Projekt läuft seit 2015 an über 100 Berufs- und Fachschulen in Russland und umfasst über 1 300 Lernende.

Informationen zur Teilnahme am Projekt unter: www.goethe.de/russland/deutschundberuf

Wilhelm Siemers
Fotos: Olga Schilina (Fachschüler)

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