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Vorurteile abbauen

Zwischen China und Deutschland

vitamin de Ausgabe Nr. 70, Regionalausgabe China

Strittmatter Li Wei Pieper VerlagKai Strittmatter ist deutscher Buchautor und Journalist. Er arbeitet als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung in Peking. Die Deutschabteilung der Pädagogischen Hochschule Mianyang lud ihn im März 2016 zu einem Podiumsgespräch ein. Dort sprach Strittmatter mit Deutschlernern über die Unterschiede zwischen China und Deutschland und darüber, wie wichtig es ist, Vorurteile zu hinterfragen.

Kai Strittmatter studierte in China und berichtete später als Korrespondent aus dem Reich der Mitte. Von seinen vielfältigen Eindrücken erzählte er den Studenten in Mianyang. Was denken Deutsche über Chinesen und umgekehrt? Zwischen den beiden Ländern gebe es viele Vorurteile, meint der Journalist. Er schreibe, um diese Vorurteile abzubauen. Ein Beispiel dafür ist sein Bericht über das Hundefleischfest in der südchinesischen Stadt Yulin.

Gemeinsamkeiten finden

Bevor Kai Strittmatter anfing, den Bericht über das Hundefleischfest zu schreiben, überlegte er lange: Wie konnte er über dieses Fest berichten, ohne Klischees zu bedienen? In amerikanischen Zeitungen fand er zwei interessante Artikel zu diesem Thema. Die Texte beschrieben, wie vor hundert Jahren auch in Deutschland noch Hundefleisch gegessen wurde. Kai Strittmatter stellte Zitate aus den amerikanischen Zeitungen an den Anfang seines Berichts und löste erst am Ende auf, dass es sich dabei nicht um China, sondern um Deutschland handelte. Dann erst schrieb er über die Hintergründe des Festivals in Yulin und ließ sowohl chinesische Festivalbesucher als auch Tierschützer zu Wort kommen.

Nicht vorschnell urteilen

Besonders faszinierend war Strittmatters Bericht über die zu unrecht verachteten Leichenfischer vom Gelben Fluss. Die Leichenfischer verdienten damit Geld, Müll aus dem Gelben Fluss zu fischen. In ihren Fischernetzen verfingen sich oft auch Leichen. Die Polizei kümmerte sich wenig um diese Fälle, deshalb versuchten die Fischer selbst, die Angehörigen der Toten zu finden. Sie brachten die Leichen zu den Familien und diese bezahlten sie dafür. Dieses „Verkaufen von Leichen“ erscheint unmoralisch, die Angehörigen waren aber sehr dankbar dafür. Das zeigt: Wer nicht informiert ist, sollte nicht vorschnell urteilen, sondern immer fair und kritisch bleiben. Kai Strittmatter beeindruckte die Deutschlerner mit seinem Einfühlungsvermögen und seinem Verständnis für fremde Kulturen und Bräuche. 

Gebrauchsanweisung für China

Buchcover Pieper VerlagKai Strittmatter veröffentlichte mehrere Bücher über das chinesische Alltagsleben. Eines davon ist „Gebrauchsanweisung für China“. Darin vermittelt der Autor, dass man fremden Kulturen am besten mit Aufgeschlossenheit und Neugierde begegnet. Kai Strittmatter schreibt humorvoll über die Unterschiede zwischen Deutschen und Chinesen und räumt mit Vorurteilen auf. Das Buch erschien 2008 beim Piper Verlag in München.

Yu Wenjing, Studentin an der Pädagogischen Hochschule Mianyang
Fotos: Li Wei/Piper Verlag (Der deutsche Autor Kai Strittmatter),
Piper Verlag (Buchcover)

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