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Litkowka

Ein deutsches Dorf in der Taiga

Ellen EichhornVon 2015 bis 2017 arbeitete Ellen Eichhorn aus Steinach in Thüringen als Sprachassistentin im „Zentrum für Deutsch – Partner des Goethe-Instituts“ im westsibirischen Omsk. In dieser Zeit besuchte die 29-Jährige das russlanddeutsche Dorf Litkowka. Über ihre Eindrücke spricht sie im Interview.

Wo genau liegt Litkowka?

Litkowka liegt in der Taiga, etwa 400 Kilometer nördlich der Stadt Omsk. Von Omsk aus fährt man am besten mit der Marschrutka, dem Sammeltaxi, in die Kreisstadt Tara. Das dauert etwa fünf bis sechs Stunden. Von dort führt nur eine unbefestigte Straße in das Dorf. Diese Strecke legt man dann am besten mit dem Auto zurück. Insgesamt ist man von Omsk nach Litkowka etwa einen Tag unterwegs. Litkowka liegt sozusagen hinter’m Wald und dann noch zehn Mal links.


Mein deutscher Urgroßvater

Auf den Spuren der Vorfahren

olgaaOlga Tefs aus Omsk hat ihren Großvater nie kennengelernt. Ihr Vater wuchs als Waise auf. Nur eines wusste Olga: Ihr Vater hat deutsche Vorfahren. Das wollte die 26-Jährige genauer wissen und begab sich auf die Suche nach ihren Verwandten. Im Interview mit vitamin de erzählt sie davon.

Kannst du uns ein bisschen von deiner Familie erzählen?

Meine Mama ist Russin, mein Papa hat deutsche Vorfahren. Seine Eltern sind früh verstorben, deshalb wussten wir lange nichts Genaues über die Familiengeschichte. In meiner Geburtsurkunde und in der meines Vaters ist die deutsche Nationalität angegeben. Als mein Vater seinen ersten Reisepass bekam, hatte man Angst, dass das ein Nachteil sein könnte. So wurde die Nationalität seiner Mutter, einer Ukrainerin, angegeben. Ich wollte mehr über meine russlanddeutschen Verwandten erfahren und meine Wurzeln kennenlernen.


Schwarzbrot und Riwwelkuchen

Eine deutsche Bäckerei in Sibirien

Deu Baeckerei Dorf Alexandrowka Foto Magdalena Sturm kleinVor 25 Jahren wurde in Westsibirien der Deutsche Nationalkreis Asowo gegründet. Im ältesten Dorf des Nationalkreises, Alexandrowka, wird seit 1998 wieder Brot nach deutschen Rezepten gebacken. Der Russlanddeutsche Valerij Root leitet hier die „Дойче Бэкэрай“ (Deutsche Bäckerei) mit zwanzig Mitarbeitern.

Das 1300-Seelen-Dorf Alexandrowka liegt 85 Kilometer südwestlich der Gebietshauptstadt Omsk in der sibirischen Waldsteppe. Die Fahrt dorthin führt über weite Strecken durch eine ebene, schneebedeckte Landschaft, vorbei an vereinzelten, kleinen Birkenwäldern. Beim Ortsschild „Alexandrowka“ biegt man direkt in die Hauptstraße des Dorfes ein, in der sich niedrige, bunte Holzhäuser aneinanderreihen. Vor einem der Hauseingänge schaufelt ein älterer Mann den Schnee zur Seite. Zwei Mädchen gehen in Wintermänteln und Mützen, den Schulranzen auf dem Rücken, die verschneite Straße entlang. Es ist ruhig im ältesten deutschen Dorf Sibiriens. Alexandrowka wurde 1893 von wolgadeutschen Kolonisten gegründet. Ab den späten 1980er-Jahren wanderte der Großteil der Bewohner nach Deutschland aus. Nur zehn Prozent der Russlanddeutschen sind geblieben. Obwohl sie im Alltag meist Russisch sprechen, ist Deutsch für sie nach wie vor auch Muttersprache. So wie für Valerij Root. „Meine Mutter ist Wolgadeutsche“, erzählt er. Dabei rollt er das „r“ und sagt „Wolgadeitsche“. „Mit meiner Frau und meiner Tochter spreche ich in unserem deutschen Dialekt“. Valerij Roots Eltern sind nach Niedersachsen ausgewandert. Er selbst ist oft in Deutschland und hat dort auf einem Bäckereiseminar gelernt, Brot nach deutschen Rezepten zu backen.


25 Jahre "Insel der Hoffnung"

Der Deutsche Nationalkreis Asowo

BrunoReiter1In einem Innenhof in der Leninstraße in Omsk wurde im Mai 2016 das Deutsch-Russische Haus eröffnet. Hier befindet sich das Büro von Bruno Reiter. Der 75-Jährige leitete den Deutschen Nationalkreis Asowo von dessen Gründung 1992 bis 2010. Jetzt feiert der Nationalkreis sein 25-jähriges Bestehen. Im Interview spricht Bruno Reiter über die Gründung des Nationalkreises und die Situation der Russlanddeutschen heute.

Sie stammen aus einer wolgadeutschen Familie. In welchem Umfeld wuchsen Sie auf?

Heimat, das bedeutete für mich immer: die Wolga. Im August 1941 wurden die Deutschen, die in den Wolgagebieten lebten, nach Sibirien deportiert. Wir wurden in Sondersiedlungen untergebracht und unterstanden einer eigenen Verwaltung. Es gab Einschränkungen und Diskriminierungen. Meine Eltern wurden in die Trudarmee interniert. Sie lebten in Kasachstan. Ich wuchs bei meinen Großeltern im Dorf Alexandrowka auf. Durch die damalige Politik lernte ich schnell, was es bedeutet, ungerecht behandelt und ausgegrenzt zu werden. Die Leute im Dorf verhielten sich uns gegenüber aber normal. Wir hatten Glück: 100 Prozent der Dorfbewohner waren Deutsche. Wir sprachen Deutsch. Bis zur Einschulung konnte ich kein einziges Wort Russisch. Etwa 60 Prozent aller Russlanddeutschen leben noch heute hinter dem Ural, die meisten von ihnen in der Oblast Omsk und in der Region Altai.


Bullerbü-Stimmung in Sibirien

Eine Fotoreise nach Litkowka

DSCN12561Jörg Müller ist Fotograf aus Hamburg. Der 50-Jährige fotografiert unter anderem für die deutschen Zeitschriften „National Geographic“ und „Der Spiegel“. Im Interview mit vitamin de spricht er über sein Projekt „5x Deutschland“ und seine Fotoreportage über das deutsche Dorf Litkowka in Sibirien.

Worum geht es beim Projekt „5x Deutschland“?

Im 19. und 20. Jahrhundert haben viele Auswanderer Deutschland verlassen und sich im Ausland eine neue Existenz aufgebaut. Ihre Nachfahren leben heute noch auf der ganzen Welt verteilt. Mit dem Fotoprojekt möchte ich das deutsche Leben auf fünf Kontinenten zeigen. Die Fotoreportage stellt deutsche Dörfer in Brasilien, Mexiko, Südafrika, Rumänien und Westsibirien vor.


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