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Eine besondere Beziehung

Tao Bo in Deutschland

vitamin de Ausgabe Nr. 73, Regionalausgabe China

vde73 China SeiteII Bild Neu2Tao Bo aus Qingdao hat eine besondere Beziehung zu Deutschland. Als kleines Kind lebte er mit seiner Familie einige Jahre in Paderborn. Dann kehrte Familie Bo nach China zurück. Im letzten Jahr nahm Tao an einem Schüleraustausch mit Deutschland teil. Im Interview erzählt er von seinen Erlebnissen in einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg und dem Gegenbesuch seines Gastbruders Pascal in seiner Heimatstadt.

Was ist dir zuerst am Alltagsleben in Deutschland aufgefallen?

Ich habe festgestellt, dass das Alltagsleben der Schüler sehr vielfältig und bunter ist als in China. Es gibt viele Möglichkeiten, sich persönlich zu entwickeln. Die deutschen Schüler übernehmen früh Verantwortung für sich selbst und für andere. In China ist das nicht so ausgeprägt. Die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung der deutschen Schüler hat mir gut gefallen.

Wie hast du den Schulalltag empfunden?

Der Schulalltag in Deutschland ist viel interessanter als in China. Der Stress und der Leistungsdruck sind geringer. Die Lehrer sind sehr kompetent und meine Mitschüler waren freundlich. Sie haben mich positiv aufgenommen. In der Schule habe ich wirklich viel Spaß gehabt.

Wie war das Zusammenleben mit deiner Gastfamilie?

Meine deutsche Gastfamilie war sehr nett. Sie hat für mich eine Überraschungsparty zu meinem Geburtstag veranstaltet. Das hat mich sehr gefreut. Wir haben auch ein Fußballspiel live im Stadion besucht. Die Atmosphäre war toll. Es war sehr beeindruckend, das einmal zu erleben.

Wie hast du den Aufenthalt deines Gastbruders Pascal in China erlebt?

Pascal und ich kannten uns durch meinen Deutschlandbesuch schon sehr gut. Bei seinem Chinabesuch haben wir uns sofort wieder gut verstanden. Auch die Integration in meine Familie hat gut funktioniert. Für mich war es sehr schön, dass ich auch innerhalb meiner Familie plötzlich einen guten Freund in meinem Alter hatte. Mit ihm konnte ich Zeit verbringen und meine Hobbys teilen. Das war eine schöne Erfahrung.

Wenn du zurückdenkst, was wirst du vermissen?

Meine Freunde in Deutschland, die Schule, die schöne Landschaft, die saubere Luft und das deutsche Essen. Aber bald bin ich wieder da. Nach meinem Abitur in China werde ich in Deutschland studieren.

Deutsch-chinesischer Kurzzeitaustausch

Tao Bo ist Schüler der angegliederten Mittelschule der Universität Qingdao. Die Schule gehört zur Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH). Tao hat 2016 am zweimonatigen deutsch-chinesischen Kurzzeitaustausch teilgenommen. Der Kurzzeitaustausch ist ein Programm des Goethe-Instituts China und des AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., gefördert durch die Stiftung Mercator. Dieses Programm soll jungen Menschen einen Einblick in ein neues Land und eine neue Kultur ermöglichen, um Fremdes zu verstehen und Bekanntes mit neuen Augen zu sehen.

Das Interview führte Isabell Hinsberger.
Foto: privat (Tao Bo)

 

Gegenbesuch in China

Gastvater Jianquan erzählt

P1030908 KopieTaos Vater, Jianquan Bo, unterstützte seinen Sohn bei der Teilnahme am deutsch-chinesischen Kulturaustausch. Nachdem Tao zwei Monate bei der deutschen Gastfamilie in Baden-Württemberg gewohnt hat, kam sein Gastbruder Pascal nach Qingdao. Vater Jianquan erzählt vom Zusammenleben mit dem neuen Familienmitglied.

Können Sie uns Ihre Familie vorstellen?

Wir sind eine vierköpfige Familie. Meine Frau und ich haben zwei Kinder. Wir sprechen alle Deutsch, weil wir vor einigen Jahren in Deutschland gelebt haben. Als wir nach China zurückkehrten, war Tao erst fünf Jahre alt. Deshalb war seine Erinnerung an Deutschland bald verblasst. Der Kurzzeitaustausch war für ihn eine gute Gelegenheit, sein Deutschlandbild aufzufrischen. Für uns als Familie war es eine tolle Chance, um die Verbindung nach Deutschland wiederherzustellen.

Wie hat sich Ihr Familienleben durch den Austausch verändert?

Als Pascal bei uns war, haben wir deutlich intensiver miteinander kommuniziert. Die Handys wurden weniger genutzt. Da wir Deutsch sprechen, fiel es uns nicht schwer, mit Pascal ins Gespräch zu kommen. Wir unterhielten uns über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und chinesischen Kultur. In beiden Ländern sind Eigenschaften wie Höflichkeit, Fleiß oder Gastfreundschaft sehr wichtig. Ordentlichkeit und Pünktlichkeit sind typisch deutsche Attribute, während Flexibilität und Spontaneität chinesische Eigenschaften sind. Es war interessant, einmal die Perspektive zu wechseln.

Welche Erfahrungen haben Sie als Familie gesammelt?

Jedes Familienmitglied hat zum gelungenen Zusammenleben beigetragen. Der Alltag war sehr abwechslungsreich. Ein besonders schönes Erlebnis war die chinesische Hochzeit, die wir mit Pascal gefeiert haben. In China gibt es andere Hochzeitsbräuche als in Deutschland. Für Pascal war das interessant. Er hat mitgefeiert und getanzt. Durch den Austausch konnten wir viel voneinander lernen.

Das Interview führte Isabell Hinsberger.
Foto: privat (Tao Bos Vater, Jianquan Bo)

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